Warten können

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Kaum jemand, der nicht über den hektischen Lebensstil klagt. Wir wollen immer mehr in immer kürzerer Zeit erledigen. Die Rationalisierungszwänge in den Betrieben nehmen oft wenig Rücksicht auf die Belastungsgrenzen der Mitarbeiter. Selbst beim Reisen geizen viele Zeitgenossen mit Minuten. Die vor einigen Jahren gebaute ICE-Trasse von Nürnberg nach München ist dafür ein Beispiel. An Stuttgart 21 scheiden sich die Geister. Ist diese Großbaustelle mit einer Kostenschätzung von 6,9 Milliarden Euro zu rechtfertigen?
Kinder können es oft nicht erwarten, bis endlich Weihnachten ist und sie ihre Geschenke erhalten. Ich selbst werde oft schon ungeduldig, wenn die Ampel wieder auf Rot schaltet und mich am Weiterfahren hindert. Wir haben es eilig!
Doch wo eilen wir hin? Was hält uns ständig auf Trab? Warum nehmen wir uns so oft zu viel vor?
Die Adventszeit sollte uns nicht dazu verleiten, noch mehr in einen Tag hineinpacken zu wollen als sonst, sondern inne zu halten. Der Wochenspruch für den 2. Adventssonntag ist eine Aufforderung in diese Richtung. "Richtet euch auf und fasst Mut, weil eure Erlösung nahe ist." (Luk.21,28) Worauf warten wir? Auf bessere Zeiten? Kranke hoffen auf baldige Genesung. Gläubige Juden warteten und hofften auf das Kommen des Messias. Wir Christen sind der Überzeugung, dass dieser in Jesus von Nazareth gekommen ist. Darum feiern wir das Christfest. Doch die endgültige Erlösung erwarten wir am Ende der Zeiten. Dies zu bedenken kann uns helfen, dass wir uns nicht im Getriebe der Belanglosigkeiten verlieren.
Pfr. Ernst Schwab, Klinikseelsorger am Bezirksklinikum Ansbach