Andacht zur Jahreslosung

"Christus spricht: ‚Ich lebe, und ihr sollt auch leben.'" (Johannes 14,19)
Christen führen ein Doppelleben.
Die einen werden jetzt verächtlich sagen: "Das haben wir ja gewusst. Ganz koscher sind Christen nicht. Und ihre Moral ist auch eine Doppelmoral."
Die anderen werden erstaunt fragen: "Was ist damit gemeint?" Denn sie fühlen sich der Wahrheit und dem Leben verpflichtet, wie Jesus Christus sagt: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich."
Christinnen und Christen führen ein Doppelleben.
Sie leben gleichzeitig in zwei Welten: Sie leben in der Welt, wie sie ist, und sie leben in der Welt, wie sie von Gott her sein könnte - und sein wird. Christinnen und Christen versuchen die Welt von der Welt, wie sein könnte, her zu gestalten. Sie geben sich damit nicht ab, wenn gesagt wird: "Das ist eben so!" Oder: "Das ist eben der Lauf der Welt!" Oder: "Das ist die Eigengesetzlichkeit der Welt!" Christinnen und Christen kennen noch eine andere Welt, die auf sie zukommt. Es ist die Welt, die Gott verheißen hat: Eine Welt, wo kein Leid, kein Schmerz und kein Geschrei sein wird. Von dieser Verheißung her gehen sie an die Gestaltung der Welt, wie sie 2008 sein wird.
Christinnen und Christen führen ein Doppelleben.
Sie leben gleichzeitig in zwei Zeiten: Sie leben in der Zeit irdischer Vergänglichkeit und der Zeit himmlischer Ewigkeit.
Mitten in der Zeit der Vergänglichkeit feiern sie Feste der Ewigkeit. Wie zum Beispiel an Ostern, dessen Festtermin im Jahr 2008 so früh wie sehr selten liegt. Und:
Mitten in der Zeit der Vergänglichkeit, spielen die Anhänger Jesu zum Beispiel in der Taufe das heilige Spiel der Ewigkeit. Die Taufe gewährt dem Getauften mitten in der vergänglichen Zeit Anteil an der Liebe Gottes und dessen ewigem Heil.
Christinnen und Christen führen ein Doppelleben.
Sie lesen im Grunde nur in zwei Büchern: Sie lesen im Buch der Bücher und im Buch des Lebens. Und beide Bücher lesen und deuten sie nicht heimlich oder inkognito. Sie lesen und verstehen beide Bücher öffentlich und mit anderen Menschen. Überhaupt sind die Nachfolger Jesu Anwälte der Wirklichkeit, wenn sie die Wirklichkeit vom Buch der Bücher her zu verstehen versuchen: Manchmal sieht man einen Menschen erst wirklich unter der Gnade der Verheißung Gottes.
Und das Wichtigste ist: Christinnen und Christen spielen die beiden Bücher und die beiden Leben nicht gegeneinander aus. Sie verheimlichen nicht und vor niemandem das eine vor dem anderen Leben. Beide Leben und beide "Lektüren" werden aufeinander bezogen: So wie bei den beiden Welten und bei den beiden Zeiten, in denen sie leben.
Die Jahreslosung fasst das mit einem Christuswort so zusammen: "Christus spricht: ‚Ich lebe, und ihr sollt auch leben.'" - Ein Motto für das Doppelleben 2008.
Pfarrer Dr. Johannes Wachowski, Wernsbach