Zum Nachlesen: Besuch aus Raipinka / Kainantu

Bericht über den Gästebesuch aus den Partnerdekanate Raipinka / Kainantu im Partnerdekanat Ansbach 2006

Vom 8.Mai bis 7.Juni 2006 besuchte im Rahmen des Reverse-Program eine Delegation aus den Partnerdekanaten Raipinka und Kainantu das Partnerdekanat Ansbach. Der Gegenbesuch fand statt, nachdem 2002 eine Besuchergruppe aus Ansbach die Dekanate Raipinka und Kaiantu besucht hatte. Die beiden Dekanate sind Nachbardekanate, hervorgegangen aus einer Teilung des ursprünglich sehr großräumigen Dekanats Raipinka. So war es sinnvoll, dass die Besuchergruppe pro Dekanat aus je zwei Männern und einer Frau bestand. Die BesucherInnen haben in den beiden Dekanaten Führungsrollen als Dekane, Frauenbeauftrage und Jugendleiter. Wir erlebten sie als sehr selbstbewußte und kompetente Repräsentanten ihrer Kirche und der beiden Dekanate.

1. Die Begleitung der Gäste

Die Begleitung der Gäste erfolgte durch den Dekanatsmissionspfarrer Jürgen Lehner und seiner Frau. Das gemeinsame Standquartier war in einer Frühstücks-pension am Stadtrand von Ansbach. Diese Regelung brachte eine Reihe von Vorteilen. Vor allem konnte das tägliche Veranstaltungsprogramm intensiv vor- und nachbesprochen werden. Auch konnten viele Eindrücke gemeinsam reflektiert werden. Die Gäste hatten Verschnaufpausen. Die Mitglieder des Partnerschafts-ausschusses beteiligten sich ebenfalls rege an der Begleitung der Gäste. Die örtliche Presse war über den bevorstehenden Besuch vorab gut informiert worden. Fünf Zeitungsberichte über den vierwöchigen Besuch aus PNG informierten die breite Öffentlichkeit. Die Gäste sahen darin ein schönes Zeichen dafür, daß sie ernst genommen wurden.

2. Begegnungen in den Kirchengemeinden

Das Dekanat Ansbach umfaßt 35 Kirchengemeinden. Die Besuchergruppe besuchte weit mehr als die Hälfte der Kirchengemeinden d.h. alle Kirchengemeinden, die die Gäste eingeladen hatten. Die Begegnungen fanden statt im Rahmen von Gottesdiensten, Gemeindeabenden bzw.- nachmittagen, in Jugendgruppenstunden, im Unterricht in Schulen und bei Besuchen in den Familien ( gewöhnlich zwei an jedem Tag).

Gastgeber und Gäste stellten gegenseitig ihre Gemeindearbeit vor. So bekamen vor allem auch die Gäste Einblicke in die verschiedenen Arbeitsbereiche der Kirchen-gemeinden. Die Gäste erzählten eindrucksvoll von ihrem Alltag und dem Leben ihrer Kirche und örtlichen Gemeinde. Sie gestalteten sehr engagiert die Gottesdienste durch Predigt, Liedvorträge, Fürbitten und treffende Grußworte. Die realen Begegnung mit Vertretern unserer Partnerkirche war für viele ZuhörerInnen sehr beeindruckend. Manche Statements der Gäste im Blick auf die unterschiedlichen Lebensstandards zwischen Papua Neu Guinea und der westlichen Welt lösten nachdenkliche Fragen und auch Selbstkritik aus. Christen aus einem anderen Kulturkreis, mit anderen Empfindungen, Wahrnehmungen und Schlußfolgerungen gaben Anlaß zu manch unvergeßlichem Aha-Erlebnis, ebenso zu großem Respekt und zu neuem Nachdenken über unsere eigene Rolle als Christen in dieser globalisierten Welt. Die Gäste haben uns nicht bestätigt sondern sie haben uns im Grunde in Frage gestellt.

2. Besichtigungen

Neben den Begegnungen in den Kirchengemeinden gab es ein ausführliches Besichtigungsprogramm: Industriebetriebe, kleinere Unternehmen, ebenso Landwirtschaftsbetriebe z.B. mit Biogasanlage und Hackschnitzelheizkraftwerk und eine Exkursion in den Wald, Besuch bei einer diakonischen Einrichtung und eine kirchengeschichtliche Fahrt zur Wartburg und nach Wittenberg u.a.

Es gab die Möglichkeit zu Gesprächen. Die Bereiche bezahlte Arbeit, Umgang mit Geld, Arbeitslosigkeit, Armut in Deutschland, Umwelt, erneuerbare Energieen, Ökologie, Automatisierung in den Betrieben, sozialen Probleme u.ä. wurden angesprochen.
Immer wieder wurde auch gefragt: Wie ist das in Papua Neu Guinea? Vergleiche, Ähnlichkeiten, Andersartigkeiten, Abhängigkeiten, Zusammenhänge ect.

3. Fazit

Für unsere Gäste aus Papua Neu Guinea war das d i e Reise ihres Lebens. Umgekehrt, für Reisende von hier nach dort, wäre es auch so. Das ist schon ein Wert in sich und eine enorme Horizonterweiterung. Wir brauchen sie.

Die Gäste schwankten im Blick auf das, was sie erlebten, zwischen Bewunderung, Erwartungen und auch eher verhaltener Kritik. Was sich tatsächlich in den Köpfen der Südseeinsulaner abgespielt hat, blieb den hiesigen Beobachtern letztlich verborgen. Manchmal fragte sich auch der Berichterstatter, welchen Sinn es eigentlich haben soll, unseren Gästen all unsere Errungenschaften vorzuführen, die für sie ja ohnehin unerreichbar und vielfach wohl auch gar nicht wünschenswert sind. Beschämen wir unsere Partner, ermutigen wir sie, erwecken wir unerfüllbare Erwartungen, üben wir Selbstkritik und fragen ernstlich nach unserer Verantwortung für die Mission in der Einen Welt, für Gerechtigkeit und Frieden?

Der Lernprozeß für ein besseres Verständnis für echte Partnerschaft auf Augenhöhe, im gegenseitigen Ernstnehmen, im gegenseitigen Annehmen und im Für einander Eintreten hat durch diesen Besuch sicher einen neuen wichtigen Impuls bekommen. Was heißt das: EINS In CHRISTUS - WANBEL LONG KRAIST.

Es wird wichtig sein, daß eine interessierte ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterschaft in den Kirchengemeinden diesen Impuls aufnimmt und Taten folgen läßt.
Auswertungen der Besuchsreise haben stattgefunden. Konsequenzen müssen folgen. Ein engagierten Partnerschaftsausschuß ist seit Jahren im Amt. Er braucht Verstärkung. Der scheidende langjähriger Dekanatsmissionspfarrer bekommt hoffentlich bald einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin. Eine Partnerschaftsreise von hier nach dort sollte bald ins Auge gefaßt werden. Die Kontakte zu unseren Partnern in Raipinka und Kainantu wollen und sollen durch unsere persönlichen und gottesdienstlichen Gebete, durch eine geduldige Korrespondenz, durch das Feiern des jährlichen Partnerschaftssonntages, durch unser Anteilnehmen und Interesse am Leben und Fortkommen unserer Schwestern und Brüder in Christus in Papua Neu Guinea wachsen. Die weltweite Kirche aus vielen Völkern ist der Leib Christi. Unsere Schwestern und Brüder in PNG und wir gehören dazu. Lassen wir uns begeistern und engagieren wir uns in diesem Lernprozeß des Miteinanders und Füreinanders. Der Horizont ist weit.

Neuendettelsau, den 20.Januar 2007
Jürgen Lehner. Pfr.i.R.