Herbstsynode 2010
Die Herbstsynode eröffnet Dekan Hans Stiegler mit einem geistlichen Wort zu Israel als der Wurzel unseres Glaubens
"Liebe Schwestern und Brüder!
Bilder bestimmen unser Leben. Bilder können sich traumatisch in die Seele fressen.
(Erinnerung an den Amoklauf am Carolinum vor einem Jahr) Bilder können aber auch unsere Seele leicht machen und uns befreien wie jene Bilder, der aus 700 Metern Tiefe geretteten Minenarbeiter in Chile.
Auch unsere Bibel spricht oft und viel in Bildern. Das Altes Testamen ist auch eine Art Album der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel. Im 5.Buch Mose heißt es (32,10): "Gott fand sein Volk (Jakob) in der Wüste... Gott führte Jakob und gab ihm das Gesetz. Er behütete ihn wie seinen Augapfel." Das Bild von Israel als Augapfel Gottes wird dann u.a. beim Propheten Sacharija (2,8) mahnend wieder aufgenommen. Der Prophet sagt zu Israel: "Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an."
Die Optik Gottes ist also, wenn man das so einfach sagen darf, durch die Existenz seines Volkes bestimmt. Bilder und Worte wie der Augapfel Gottes, der Hüter Israels, der nicht schlummert noch schläft, oder die Verheißung von Gottes Erbarmen - "Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer." (Jesaja 54, 10) lehren uns die Treue Gottes zu seinem Volk Israel. Seit Jesus Christus gilt diese Treue auch all denen, die in den Leib Christi hineingetauft werden und immer wieder aus diesem Bewusstsein ihr Leben und ihren Glauben gestalten Allen judenchristlichen Autoren des Neuen Testaments war das bewusst und jeder reagierte anders auf die Einsicht in die Treue Gottes.
Der Apostel Paulus redet z.B. in einem Bild, wenn er Gottes Treue deutlich machen will. Er spricht vom den "christusgläubigen Heiden als wilde Ölzweig eingepfropft in den Ölbaum Israels" (vgl. Römer 9 - 11). Und dieses Bild soll ein Bild christlicher Demut sein, wie es heißt: "So rühme dich nicht gegenüber den Zweigen. Rühmst du dich aber, so sollst du wissen, dass nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich." (Römer 11,18)
Das Bild vom Ölbaum Israel ist ein Bild der Kontinuität und Demut. Dieses Bild tut der glaubenden Seele gut, weil die bis heute andauernde Treuegeschichte Gottes mit seinem Volk sich fortsetzt in seiner Treuegeschichte mit der Kirche Jesu und allen, die zu ihr gehören.
"Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen." (Römer 11,29)
In diesem Zusammenhang also wird das sogenannte Ölbaumgleichnis dann zu einem Bild, des unserer gläubigen Seele gut tut und uns für den Lobpreis der Wunderwege Gottes bereit macht (Römer 11,33ff).
