Gedanken zu Ostern

Engel am Grab: Bild zoomen

-->Worte sind wie Kleider. Und Kleider spielen in der Ostergeschichte eine große Rolle. Denken Sie jetzt an das Gewand Jesu. Denken Sie an die Leichentücher Jesu. Denken Sie an die weißen Gewänder der zwei Engel am Grab.

Worte sind wie Kleider. Manchmal tun sie einem gut. Manchmal aber drücken sie. Manchmal verletzen sie sogar. Manchmal wärmen sie, wenn es um einen herum immer kälter wird. Da ist ein gutes Wort besser als jeder Anorak. Und manchmal ist ein neues Wort auch viel besser als ein neues Kleidungsstück.

Worte sind wie Kleider. Sie passen manchmal schnell und gut. Andermal zicken sie und man muss sich erst verändern, damit sie einen Platz im Leben bekommen. Manchmal muss man erst hineinwachsen in die Worte. Und das braucht Zeit. Und manchmal wächst man auch aus Worten heraus. Das mache ich mir immer klar, wenn ich mich erinnere mit welch heiligem Ernst ich in meiner Kindheit die Mosegeschichten der Bibel gehört habe und wie nüchtern ich ihnen jetzt zum Teil begegnen kann.

Liebe Gemeinde!
Das Osterevangelium ist ein besonderes Wort. In die unglaubliche Botschaft, dass Gott einen Weg vom Tod zum Leben geht, muss man erst hineinwachsen. Das Wort: "Der Herr ist auferstanden." muss lange gottesdienstlich - in der Osternacht- vorbereitet und inszeniert werden, bis wir es überhaupt sagen können. Man kann es gar nicht locker aussprechen, so wie: "Haste schon gehört..." In den Osterworten verdichtet sich unser Glaube. Solche Worte sind filigran in biblischer Tiefe verwoben. Das Osterwort: "Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden." ist wie ein künstlerisch gewobenen Festtagskleid. Ein Festtagsgewand gnädig gewoben für uns heute. Dieses Wort grüßt von einer anderen Welt. Der Ostergruß hüllt uns ein in die Botschaft der Auferstehung. Er machen aus uns Ostermenschen, Protestleute gegen den Tod, Streiter für das Leben. Unser Antlitz verändert sich mit den Worten: "Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden." Die Osterbotschaft nimmt uns mit in die Mode am Grab. Unser Antlitz bekommen etwas vom Glanz der Lichtgewänder der Engel. Etwas vom Weiß der Christusfarbe.

Liebe Gemeinde,
einmal im Leben hat man vielleicht wirklich so ein österliches Gewand getragen. Das Taufkleid erinnert an Gottes Sieg über den Tod. Und wenn wir regelmäßig für die österlichen Worte der Bibel schlüpfen, wenn wir merken, wie langsam die Osterbotschaft passt, wenn wir vielleicht auch etwas von den weltlichen Botschaften abnehmen müssen, dass das Osterevangelium besser passt, dann sind wir im Grunde ständig mit so einem Kleidungsstück bekleidet.

Im Judentum gibt es einen Gebetsmantel, den tragen die orthodoxen Männer wie ein Unterhemd. Die gläubigen Juden umhüllen sich täglich mit diesem Gebetsmantel und sprechen dazu Worte der Erwählung Israels. Ich stelle mir vor, dass wir die Botschaft innerlich so anziehen wie so einen Gebetsmantel. Das Herze ist dann umkleidet mit den schönen Osterworten. Und ich bin mir sicher, dass sich das auch auf unsere äußere Fassade auswirkt. Das Christusweiß dringt vom Herzen in das Angesicht der Welt: Ostermenschen werden wir, bekleidet mit der Botschaft der Auferstehung.

Liebe Gemeinde!
Die Gipfelparade der letzten Tage war zum Teil auch ein Kleidergipfel: Was trägt Michelle und was Carla Bruni? Hat Angela Merkel einen neuen Hosenanzug, und traut sich jemand von den Herren ein rotes, grünes oder gelbes Gewand zu. Die Kleidungsstücke der Mächtigen waren in den Schlagzeilen und auf den Titelseiten der Welt. Kleider machen eben Leute. Heute heißt es: Gott macht Menschen Kleider: wie damals im Paradies, die Röcke, wie dann auch am Ende der Welt, die weißen Kleider der Erlösten - und wie heute: das Wortkleid der Osterbotschaft. Viele Kinder, die in der Osternacht getauft werden, bekommen ein weißes Kleid. Der kleine Mensch ist dann in die Farbe Christi gehüllt: Weiß - die christliche Farbe der Auferstehung. Weiß - Die Farbe ewigen Lebens. Weiß - die Farbe des Osterfestes.

Das Taufkleid ist im Grunde auch ein geistliches Kleidungsstück. Denn durch die Taufe ist der Täufling gekleidet mit der Gnade und Barmherzigkeit Gottes, gewandet mit guten Wünschen der Angehörigen und dem Segen Gottes, eingehüllt in die Liebe und Ewigkeit Jesu Christi. Und die Schlagzeile zu diesem Kleid lautet: "Dieser Mensch ist gerettet!"

Liebe Schwestern und Brüder!
Heute werdet ihr alle mit dem Osterkleid der Osterbotschaft umhüllt. Zieht die guten Osterworte des Lebens an wie ein Kleidungsstück. Das ganze Jahr sollen sie Euch kleiden: im Leben und auch im Sterben. Gewebt ist dies Kleidungsstück mit den Worten des Lebens und der Botschaft der Auferstehung, zusammengehalten mit dem Zwirn der Hoffnung. "Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden." Halleluja.

Pfarrer Dr. Johannes Wachowski, Worte in der Wernsbacher Osternacht