Pfarrerin Stahlmann: Studienleiterin am Nürnberger Predigerseminar

Pfarrerin Christiane Stahlmann

Pfarrerin Christiane Stahlmann nimmt zum ersten September ihre Arbeit als Studienleiterin am Nürnberger Predigerseminar auf. In einem Gespräch zieht die Seelsorgerin Bilanz und blickt auf ihre neue Arbeit voraus.

Die Pfarrerin der Ansbacher Heilig Kreuz Gemeinde, Christiane Stahlmann, nimmt am ersten September ihre Arbeit als Studienleiterin am Predigerseminar der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Nürnberg auf. Sie wird dort für die Ausbildung von jungen Pfarrerinnen und Pfarrern zuständig sein. Sie wechselt damit vom Gemeindedienst in die Ausbildungsarbeit ihrer Kirche. Folgendes Interview gibt einen Einblick in die Übergangsphase.

Frau Stahlmann wird dann am 14. September um 14 Uhr in einem Gottesdienst offiziell in der Heilig Kreuz Kirche verabschiedet werden.

Frau Pfarrerin Stahlmann, Sie waren viereinhalb Jahre Pfarrerin in der Heilig Kreuz Gemeinde in Ansbach. Am ersten September nehmen Sie Ihre Arbeit als Studienleiterin am Predigerseminar der Evangelischen Landeskirche in Nürnberg auf. Wie sieht Ihre Ansbacher Bilanz aus?
Der Abschied fällt mir schwer - ich habe gerne in und mit der Kirchengemeinde Heilig Kreuz gearbeitet. Wir haben viel geschafft: den Kirchturm renoviert und die Kinder- und Jugendarbeit auf eine solide Basis gestellt; wir haben fröhliche und nachdenkliche Gottesdienste miteinander gefeiert und das Zusammmensein der verschiedenen Generationen in der Kirche gefördert; manches, was nicht mehr gefragt war, durfte zu Ende gehen und Neues hat angefangen. Ich hätte gerne noch einige Ideen verwirklicht, die in der Zusammenarbeit mit dem Kirchenvorstand gewachsen sind - aber das darf nun ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin tun.

Was werden Sie vermissen, wenn Sie nicht mehr in einer Kirchengemeinde arbeiten?
Da gibt es vieles - schließlich habe ich die Arbeit hier sehr gerne getan: Den ganz unmittelbaren Kontakt zu so vielen unterschiedlichen Menschen vom Täufling bis zur hochbetagten Geburtstagsjubilarin, die Gottesdienste in "meiner" Heilig Kreuz Kirche, das gemeinsame Arbeiten an den Aufgaben und Herausforderungen unserer Kirchengemeinde mit dem Kirchenvorstand oder die manchmal sehr spannende Auseinandersetzung mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden.

Sie waren auch Hochschulseelsorgerin an der Ansbacher Fachhochschule. Welche Erfahrungen haben Sie in diesem Bereich gemacht?
Die Arbeit an der Fachhochschule war nicht immer einfach. Die gestiegenen Anforderungen im Studium, der Leistungs - und oft auch Zeitdruck, den die Studierenden erleben, machen allen Angeboten an der Fachhochschule, die über das Studium hinausgehen, zu schaffen. Da war und ist viel Motivationsarbeit gefragt. Gerne denke ich aber an intensive Diskussionen zum Beispiel über wirtschaftethische Themen zurück. Schön waren aber auch die adventlichen Mittagspausen mit den Mitarbeitenden und interessant und spannend manche Exkursion in Ansbachs Unterwelt oder hoch auf die Türme über der Stadt. Die gut besuchten Semestereröffnungsgottesdienste zeigten mir, dass die Arbeit der Hochschulpfarrerin wichtig und akzeptiert ist.

Die Arbeit am Nürnberger Predigerseminar ist bestimmt ganz anders als die Gemeindearbeit. Was reizt Sie an dieser Arbeit?
Ich war von Herzen gerne Gemeindepfarrerin. Jetzt freue ich mich darauf, etwas von dieser Begeisterung an zukünftige Pfarrerinnen und Pfarrer weiterzugeben, ihnen Lust zu machen auf die vielfältige und herausfordernde Arbeit. Ich bin gespannt auf die jungen Kolleginnen und Kollegen, ihre Geschichte, ihre Ideen, ihre Erfahrungen in der Ausbildungsgemeinde. Gerne will ich dazu beitragen, sie so gut als möglich fit zu machen für die Anforderungen ihres Berufs.

Was sind die Aufgaben einer Studienleiterin eines Predigerseminars?
Zusammen mit einem Team von Kolleginnen und Kollegen bin ich zum einen für die Kurse zuständig, in denen die Vikarinnen und Vikare ihre eigene Praxis in der Gemeinde reflektieren und Handwerkszeug für die praktische Arbeit mitbekommen - also zum Beispiel für das Vorbereiten und Gestalten von Gottesdienst und Predigt, für den Unterricht in der Schule oder die Begegnung mit Menschen in der Seelsorge.
Daneben werde ich kreuz und quer durch Bayern unterwegs sein und die Vikarinnen und Vikare vor Ort in der Gemeinde besuchen, bei einem Gottesdienst oder in der Schule dabei sein, sie beraten und begleiten. Zusammen mit dem Mentor oder der Mentorin in der Gemeinde erstelle ich am Ende der Vikariatszeit das Dienstzeugnis, das über die besonderen Gaben und Stärken, aber auch über den weiteren Förderbedarf eines Vikars oder einer Vikarin Auskunft gibt.

Kann man Predigen denn lernen?
Ja - eine gute Predigt besteht zum großen Teil aus gutem Handwerk und zu einem kleinen Teil aus guten bis genialen Ideen. Und sie muss zur Person des Predigers oder der Predigerin passen! Dass eine Predigt die Ohren und die Herzen ihrer Zuhörerinnen und Zuhörer erreicht, hängt aber nicht nur an der guten Vorbereitung -die halte ich für unerlässlich -, sondern auch am Wirken des Heiligen Geistes. Der Heidelberger Theologe, Gerd Theißen, hat einmal gesagt: "Predigten sind planbare Gelegenheiten für ein unplanbares Geschehen."

Frau Stahlmann, alles Gute und Gottes Segen für Ihre Arbeit als Studienleiterin und danke für das Gespräch.

Das Gespräch mit Frau Pfarrerin Christiane Stahlmann führte Pfarrer Dr. Johannes Wachowski.