Ein Wort zu Ostern
Liebe Leserin, lieber Leser,
der Kinofilm "Von Menschen und Göttern" nimmt die Zuschauer mit hinein in die innere Anspannung der französischen Mönche, die vor 15 Jahren zwischen die gewaltsamen Fronten in Algerien gerieten und umgebracht wurden. Schließlich scheint sich bei einem "letzten Abendmahl" alle Spannung zu lösen. Der sympathische, betagte Arzt unter den Mönchen verteilt Rotwein an alle Mitbrüder und lässt dazu die Musik "Schwanensee" von Tschaikowsky laufen, als sei es ein Requiem. Es ist die Nacht, da ihre Mörder kommen, die nicht wissen, was sie tun, denn bislang lebten die Mönche friedlich und in Harmonie mit ihren muslimischen Nachbarn. Die Musik zaubert ein Leuchten in die Augen der schweigenden Mönche, eine überirdische Freude strahlt aus ihren Gesichtern. Sie haben ihren Frieden gefunden und wissen sich mit Gott verbunden. Die Kraft des Abendmahls ist äußerst dicht zu spüren. Und doch sind die Mönche nicht dieser Welt entrückt. Mit dem Stimmungswechsel in der Musik verdunkeln sich die Mienen der Mönche, Tränen rollen über ihre Wangen.
Die Karwoche mit dem besonderen Abendmahlsgottesdienst am Gründonnerstag, dem Gedenken an den Tod Jesu am Karfreitag und dem Jubel über die Auferweckung Jesu an Ostern sehe ich in einer ähnlichen Spannung, wie sie in dem erwähnten Filmausschnitt gezeigt wird. Ich möchte Sie ermutigen, sich am besten mit anderen aufzumachen und einen Ostergottesdienst zu besuchen. Warum nicht auch die Osternacht mit einem anschließenden gemeinsamen Osterfrühstück? Im Ostergottesdienst ist ein Ort, wo ich alles Dunkle im eigenen Leben und im Leben anderer hinbringen kann, alle Zerrissenheit, Beschwernisse des Alltags, Enttäuschungen, Ratlosigkeit und Trauer. Vielleicht fragen Sie: "Wozu? Was unterscheidet einen Ostergottesdienst von einem Spaziergang durch die aufblühende Natur?"
Im Ostergottesdienst begegnen wir den ursprünglichen Geschichten, die von den Ostererfahrungen der ersten Christen erzählen. Diese Geschichten holen uns ab bei dem, was unser Leben verdunkelt. Sie handeln von unseren Ängsten, Zweifeln, Enttäuschungen und von unserer Trauer über nicht gelebtes Leben. Doch dabei bleibt es nicht. Die Ostergeschichten lassen uns dem begegnen, den Gott von den Toten auferweckt hat und der lebt. Sie sähen neues Vertrauen, neue Hoffnung und neue Freude in unser Leben, unterstützt durch die fröhlichen Osterlieder. Gehen Sie doch auch bewusst zum Abendmahl. Beim Brechen des Brotes, beim Abendmahl, haben die enttäuschten Jünger ihren lebendigen Herrn erkannt. Eine Ostererfahrung, die es nur in bei der Feier des Abendmahls bzw. der Eucharistie gibt. Ich grüße Sie mit dem alten Ostergruß: "Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden."
Hans Gernert
Pfarrer in Bürglein
