"Unter der Führung des Evangeliums"

Regionalbischof Christian Schmidt

Der Nürnberger Pfarrer Christian Schmidt (60) hat zum 1. April das Amt des Regionalbischofs im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg angetreten. Der Senior des Ansbacher Pfarrkapitels, Matthias Ewelt, führte ein erstes Interview mit ihm.

Lieber Herr Regionalbischof, wissen Sie schon genau, was Sie in unserem Kirchenkreis erwartet?

Genau wäre übertrieben. Mein Vorgänger, Oberkirchenrat Völkel, und ich haben uns viel Zeit für die Amtsübergabe genommen, und so bin ich über die Situation des Kirchenkreises und über besondere Brennpunkte gut informiert. Zu den letzteren zählen, um nur zwei Beispiele zu nennen, das Projekt "Kloster Heidenheim" und die Renovierung und Erweiterung der Christian von Bomhard-Schule in Uffenheim. Selbstverständlich will ich mir durch Besuche und Gespräche sehr bald selber ein Bild machen.

Welche Erfahrungen bringen Sie für diese Aufgaben mit? Was können Sie uns zu Ihrem Werdegang sagen?

Ich war Lehrvikar in Würzburg, drei Jahre Erzieher in Windsbach, sieben Jahre Pfarrer in der Steigerwaldpfarrei Kleinweisach, sieben Jahre Dekan in dem ländlich geprägten Dekanat Pegnitz und insgesamt dreizehn Jahre Pfarrer an der Lorenzkirche in Nürnberg, davon acht Jahre auch als Dekan für Nürnberg-Mitte. Da konnte ich schon Erfahrungen, auch was Leitung betrifft, sammeln. Die letzten drei Jahre habe ich mich im Gottesdienstinstitut um Fortbildungen der Pfarrer/-innen und Prädikanten/-innen im Predigen gekümmert; im großartigen Museum "Kirche in Franken" in Bad Windsheim konnte ich die museumspädagogische Arbeit aufbauen. Als Prior des "Evangelischen Konvents Kloster Heilsbronn" ist es mir ein Anliegen, mit dem Konvent in der alten Münsterstadt eine kleine Zelle der Spiritualität zu pflegen, und ich glaube, dass wir viele solcher Zellen brauchen. Das beste ist natürlich, dass eigentlich durch Gottesdienst und Meditation jede Kirchengemeinde so eine Zelle ist.

Und außerdem ist mir unser Frankenland schon lange vertraut. Das hat sich auch in zwei Büchern "In Franken betrachtet" niedergeschlagen, in denen ich die Sonntagsevangelien und besondere Tage und Gestalten des Kirchenjahres meditiert habe, und in fünf Bändchen mit fränkischen, gereimten Predigten, die von mir bei verschiedenen Anlässen, vor allem an den Faschingssonntagen, gehalten wurden.

Haben Sie schon Ideen oder Impulse im Kopf, was Sie in unseren Kirchenkreis einbringen möchten?

Zuerst einmal will ich mich umschauen und aufmerksam hören, was die Gemeindeglieder, die Kirchenvorstände und die Pfarrerinnen und Pfarrer bewegt. Mir ist sehr wichtig, dass die Mitte unserer evangelischen Kirche, das Leben aus dem Wort Gottes, aus dem Gebet und dem Gotteslob, die Mitte bleibt. In den letzten Jahren mussten wir uns sehr viel um Strukturen und Finanzen kümmern, und da ist immer die Gefahr, dass wir zu dem, wovon wir letztlich leben, gar nicht mehr richtig kommen. Kirchenleitung ist eine geistliche und theologische Aufgabe, Kirche wird geleitet durch Wort und Sakrament. Deshalb schlägt bei Gottesdienst, Liturgie und Meditation mein Herz. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille: Die Sorge für die Menschen, die besonders auf Hilfe angewiesen sind, gehört unauflöslich mit dazu, ob das unsere Kinder und Jugendlichen sind, die Kranken und Pflegebedürftigen, oder die behinderten Menschen. Doch auch hier ist neben der Sorge für gute äußere Lebensbedingungen die für das Heil der Seele von zentraler Bedeutung.

Wohin entwickelt sich unser Kirchenkreis, wohin unsere Landeskirche Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren? Welche Entwicklungen befürchten Sie, welche wünschen Sie sich?

Es ist nicht mehr selbstverständlich, Christ zu sein; viele früher selbstverständliche Traditionen sind abgebrochen, auch auf dem Land. Manchmal erschrecke ich, wenn ich merke, dass Menschen ganz elementare Aussagen unseres Glaubens nicht mehr kennen. Hier braucht der Religionsunterricht und der Konfirmandenunterricht unsere ganze Aufmerksamkeit und Liebe.

Welche vielfältigen und großartigen Möglichkeiten haben wir, Menschen mit der besten Botschaft der Welt zu erreichen! Es tut mir weh, wenn wir diese Gelegenheiten zu wenig nutzen. Da brauchen wir Kreativität und Phantasie und einen ansteckenden, fröhlichen Glauben. Und da sollen alle auch merken, dass Glaube heute selbstverständlich ökumenisch gelebt sein will. Lange genug haben sich die christlichen Kirchen durch ihre Streitereien unglaubwürdig gemacht. Da genügt es nicht, das eigene Profil zu betonen, da müssen wir unermüdlich weiter das suchen und betonen, was uns verbindet, und vor allem miteinander beten. Und wir werden beglückend feststellen, was für einen Reichtum die Vielfalt der verschiedenen christlichen Traditionen darstellt! Also, ich wünsche mir eine Kirche, die sich nicht zu viel Sorgen um sich selber macht, die fröhlich ist, die die Lust am Leben und am Glauben ansteckend lebt. Da können wir uns alle gegenseitig helfen, und ich will gerne meinen Teil dazu beitragen. Was ich mir nicht wünsche für unsere Kirche, ist das Gegenteil davon.

Wann wird Ihr Dienst beginnen und welche Termine werden Sie zuerst wahrnehmen?

Mein Dienst beginnt am 1. April, ein-geführt in mein neues Amt werde ich am 26. April, dem "Sonntag vom guten Hirten" . Der Einführungsgottesdienst, der um 16 Uhr beginnt und direkt im Bayerischen Fernsehen übertragen wird, findet in St. Johannis in Würz-burg statt, da der Kirchenkreis ja zwei Pole hat: Mittelfranken und Unterfranken. Und da hat es sich jetzt so herauskristallisiert, dass die Einführung in der Regierungshauptstadt Unterfrankens stattfindet, auch deshalb, weil im unterfränkischen Teil des Kirchenkreises die Mehrheit der evangelischen Christen lebt (ca. 250.000), während die Verabschiedung dann in Ansbach vorgenommen wird (im mittelfränkischen Teil des Kirchenkreises leben ca. 190.000 evangelische Christen).

Ich möchte bald alle Pfarrkapitel und die Leitungsspitzen der Dekanate kennenlernen und freue mich auf die Begegnungen mit den großen Einrichtungen der Bildung, Diakonie und Mission, die in unserem Kirchenkreis beheimatet sind. Gerade in einer Zeit, in der wir die negativen Auswirkungen der Globalisierung so stark zu spüren bekommen, ist der globale Aspekt von Glauben und Kirche von entscheidender Bedeutung.

Ich freue mich auf die ersten Ordinationen in Markt Heidenfeld und Wassermungenau und auf den Kirchentag auf dem Hesselberg, aber auch auf die regelmäßigen Sitzungen des Landeskirchenrates, bei denen viele wichtige Dinge für unsere Kirche beraten werden und wo ich natürlich auch die Interessen des Kirchenkreises und seiner Dekanate und Kirchengemeinden einbringen will.

Alles in allem kann ich sehr gut an das Motto meines Vorgängers "nahe bei Gott und nah bei den Menschen" anknüpfen, und es erweitern um ein Stichwort aus der Regel des heiligen Benedikt von Nursia: "Per ducatum Evangelii - unter der Führung des Evangeliums".

Danke für dieses Gespräch, und Gottes Segen für Ihre neuen Aufgaben.

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Zur Person: Schmidt war zuletzt als Referent für Homiletik und Kasualien in Gottesdienstinstitut in Nürnberg, zum anderen als theologischer Referent im Museum "Kirche in Franken" in Bad Windsheim tätig. Darüber hinaus leitet er als Prior den "Evangelischen Konvent Kloster Heilsbronn". Leitungserfahrung konnte Schmidt bereits als Dekan in Pegnitz (1991-1998) und als Dekan des Prodekanatsbezirks Nürnberg-Mitte (1998-2006) sammeln. Der seiner fränkischen Heimat sehr verbundene Pfarrer beschäftigt sich seit vielen Jahren in zahlreichen Veröffentlichungen mit Fragen des geistlichen Gemeindeaufbaus und der liturgischen Ausgestaltung von Gottesdiensten.

Nach 15 Jahren als Dekan wisse er sehr gut, wie wichtig und nötig Struktur- und Finanzfragen in der Kirche seien, so Schmidt. "Umso wichtiger ist mir, dass es ganz klar bleibt: In der Kirche müssen das Hören auf Gott und sein Wort, sowie der Gottesdienst und das Gebet an erster Stelle stehen". Ein besonderes Anliegen ist ihm eine Ökumene, "die sich nicht mit einem klaren evangelischen Profil begnügt, sondern einem weiteren Verstehen und Zusammenwachsen auf der Spur bleibt".