Romreise des Pfarrkonvents des Dekanats Ansbach

Romreise


Auf Luthers Spuren in der ewigen Stadt mit ökumenischen, jüdischen und internationalen Themen

Auf Luthers Spuren traf die Reisegruppe des Ansbacher Pfarrkonvents an ihrem letzten Tag eine Gruppe des Dekanats Bad Neustadt vor der einzigen gotischen Kirche Roms: Santa Maria sopra Minerva (Bild). Prof. Martin Wallraff stellte gewissermaßen ambulant den beiden Gruppen seine Erkenntnisse zur Luthers Romreise im Jahre 1511, die sich im nächsten Jahr also jährt und zu der der Baseler Kirchenhistoriker ein Buch verfasst hat. Mit dem reformatorischen Abschluss endete eine abenteuer- und facettenreiche Romfahrt der Pfarrerinnen und Pfarrer des Ansbacher Pfarrkapitels und deren Angehörige, die am Abend des Reformationstages begonnen hatte. Aber der Reihe nach.

Ein kleines Abenteuer war jeweils die zwölfstündige An- und Abreise in Sechsersitzabteilen in einem übervollen und teilweise doch renovierungsbedürftigen Nachtzug. Am ersten Tag besuchte die Ansbacher Reisegruppe dann zwei der vier Patriarchalbasiliken: Santa Maria Maggiore, eine der sieben Pilgerkirchen, und die Lateranbasilika, die Bischofskirche von Rom. Kirchenbesuche waren aber nur eine Säule im abwechslungsreichen Besuchsprogramm der Geistlichen in der "Ewigen Stadt". Mit einem Besuch der Synagoge und des jüdischen Museums und einer Führung zum jüdischen Ghetto machten die Ansbacher deutlich, dass sie sich bewusst sind, in eine Stadt gereist zu sein, die auch die Geschichte der ältesten jüdischen Gemeinde außerhalb Israels erzählt.

Zwei Tage widmete sich die Gruppe dem Thema der Ökumene. Der Mittwoch war der "katholische Tag" der evangelischen Reisegruppe: Am Morgen nahm ein Teil der Gruppe an einer Papstaudienz teil. Am Nachmittag wurden sie dann von Pater Don Antonio durch die Peterskirche geführt und anschließend zu einem Gespräch mit einem Vertreter des päpstlichen Staatssekretariats, Monsignore Heinze, geleitet. Der katholische Geistliche präsentierte nicht nur ein "Panorama der Verwaltung der Kurie", er machte im Gespräch unter anderem auch deutlich, wie wichtig der Zölibat für die katholische Kirche sei, denn: "er sei die Lebensform von Christus selbst gewesen".

Ökumenisch ging es auch am Freitag zu: Die Waldenserfakultät wurde besucht und über das Programm "Studium in Rom" informiert. Die Waldenserkirche, eine "Bonsaikirche", wie sie Prof. Wallraff titulierte, offenbarte den Mitgliedern der Bayerischen Landeskirche eine ganz andere Kirchensituation: eine Kirche, die sich über die Kultursteuer finanziert, die mit der Methodistischen Kirche ganz selbstverständlich uniert ist und die einer katholischen Umgebung ständig beibringen muss, was evangelisch ist. Das war dann auch das Thema des Studientags der Waldenserfakultät, in den die Ansbacher hinein schnupperten. Zur Zielsetzung des Studientages heißt es im Programm: "In der gegenwärtigen ökumenischen Situation ist der Aufbau einer katholisch-orthodoxen Achse zu beobachten, mit der eine Isolierung des Protestantismus einhergeht. Gleichzeitig werden in verschiedenen Bereichen des römischen Katholizismus Stimmen laut, die eine Schwächung (wenn nicht sogar eine Ausblendung) der vom Zweiten Vatikanischen Konzil ausgehenden Anstöße beklagen. Die Tagung beabsichtigt zu einer protestantischen Analyse der aktuellen Situation der Römischen Kirche in ökumenischer Perspektive beizutragen." In sich an zwei Vorträgen anschließenden Diskussionen fragen die Teilnehmer unter anderem, wer die bessere Antwort auf die Probleme der modernen Welt gebe: ein kritisch sich abgrenzender Katholizismus oder ein sich ganz auf die modernen Entwicklungen einlassender Protestantismus. Prof. Wallraff, Initiator des Studienprogramms "Studium in Rom", bedanke sich ausdrücklich bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für die Unterstützung des Melanchthonzentrums in Rom und für die damit verbundene Förderung der evangelischen Präsenz in der katholischen Stadt.

Neben Kirchenbesuchen, jüdischen und ökumenischen Themen hatte das Programm auch einen weltlichen Akzent. Und der bestand nicht darin, dass man in Rom auch gut Essen und Trinken kann. Einen halben Tag waren die Geistlichen zu Gast bei der Welternährungsbehörde der Vereinten Nationen, der "Food and Agriculture Organisation" (FAO). Sie knüpften damit an ihre Genfreise an und erkannten die Ernährungs-, Rohstoff- und Wasserprobleme als zentrale Fragen einer Theologie, die sich für Frieden und Bewahrung der Schöpfung einsetzt.

Das Romprogramm hatte immer wieder auch "geistliche Inseln". Die Teilnahme am Abendgebet in St. Egidio gehörte dazu, wie auch die tägliche Lesung der Tageslosung. Schließlich feierte Dekan Hans Stiegler mit der Gruppe die Vesper in der Priscilla-Katakombe. So ein Gottesdienstort findet sich nur in Rom: Umgeben von Grablegen bezeugten die Ansbacher Christinnen und Christen dort mit Wort und Lied eine Kultur des Lebens.