"Gott sieht das Herz des Menschen an..."

Liebe Leserinnen und Leser!
Sommerzeit, Ferienzeit, Zeit um das Leben - hoffentlich - ein bisschen bewusster anzugehen, an der einen oder anderen Stelle auch einmal einen genaueren Blick zu wagen: Aufmerksamer den Blick auf seine Familienangehörigen und Nachbarn zu richten, was im Lauf des Alltags oft schwer gelingt! Aber auch einmal wieder einen Blick auf das eigene Leben richten! Sich die schönen "Augen-blicke" ins Gedächtnis rufen, die manchmal vom Gewöhnlichen oder schweren Erfahrungen überdeckt sind!
Unser christlicher Glaube sagt uns, dass auch Gott seinen Blick auf uns gerichtet hat: Gott schaut uns an! Er lässt seinen Blick nicht von uns ab, keinen Moment des Lebens! Im Buch Samuel heißt es: "Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an!" (1. Samuel 16,7)
Wir Menschen blicken häufig nur auf das Oberflächliche. Gott aber schaut tiefer und erkennt die wahren Beweggründe. Das heißt aber nicht, dass es uns Menschen unmöglich ist, tiefer zu sehen. Ein Beispiel dafür ist Samuel, ein alttestamentlicher Priester, der von Gott den Auftrag hatte, einen neuen König für Israel auszuwählen und zu salben. Samuel ließ sich zunächst von Äußerlichkeiten leiten, hatte die Vorstellung ein guter König müsse mindestens 1,80 groß sein, gewaltig im Auftreten. Doch Gott korrigierte Samuels Sicht. "Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an." Vor Gottes Augen zählen die inneren Werte, nicht das Äußere, nicht die Körpergröße, die Schönheit oder die Macht. So wählte Samuel schließlich gegen allen äußeren Schein den Kleinsten, den Hirtenjungen David als neuen König aus.
Gott sieht das Herz des Menschen an, auch unser Herz. Und wenn Gott mich ansieht, dann werde ich dadurch zu etwas Besonderem, wie der kleine Hirtenjunge David. Wenn ich wahrnehme, dass Gott mich und mein Herz mit liebendem Blick ansieht, macht mich dieser Blick auch selbst fähig, ein Stück mit dem Herzen und mit Liebe auf andere zu blicken. Dafür aber ist es immer wieder nötig, sich die Zeit zum Hinschauen, zum Nachdenken zu nehmen.
Diese Muße wünsche ich Ihnen in diesen sommerlichen Tagen!
"Gott befohlen!"
Ihr Hans Stiegler, Dekan