Studienreise des Pfarrkonvents des Dekanats Ansbach nach Berlin

Drei Themenschwerpunkte: Politik, Kirche, DDR-Geschichte

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„Berlin ist eine Reise wert“. Unter diesem Motto reiste das Pfarrkapitel des Dekanats Ansbach unter Leitung des stellvertretenden Dekans, Friedrich Käpplinger, in der Zeit vom 15. bis 18. Mai in die Bundeshauptstadt. Drei Themenschwerpunkte prägten die pastorale Exkursion in die deutsche Metropole und das dreitägige Besuchsprogramm, wie der Senior des Pfarrkapitels, Pfarrer Matthias Ewelt, berichtete.

Der erste Programmtag wurde ganz vom „politischen Berlin“ geprägt, und das Stadtgebiet rund um den Reichtag besichtigt. Fast zwei Stunden nahmen sich die Pfarrerinnen und Pfarrer Zeit für die Besichtigung des Holocaustmahnmals mit dem Stelenfeld und der Informationsstätte. Danach fand ein Gespräch mit MdB Josef Göppel um die aktuelle politische Gegenwart statt. Wichtige Themen waren unter anderem die Umweltpolitik, die Reaktorsicherheit und die rentable Verwendung von Biokraftstoffen. Schließlich stieg die Geistlichkeit „dem Reichstag aufs Dach“, wie das die Vikarin Susanne Treber ausdrückte. Von der Besuchertribüne des Reichstags aus hatte die Gruppe einen beeindruckenden Berlin über Berlin und in den Plenarsaal.

Der zweite Tag war den Kirchen und Gemeinden in Berlin gewidmet. Um das kirchliche Leben einer weitgehend säkularisierten Metropole zu verstehen, wurde Berlins erste sogenannte „Citykirche“, die Heilig-Kreuz Kirche, besichtigt.

Eine „integrierende Weltoffenheit“ ist das Wesensmerkmal und Konzept der dortigen Kirchengemeinde. Das zeigte sich unter anderem an den Räumlichkeiten der Kirche, die Räume für Gottesdienst, Kirchencafe, kulturelle Veranstaltungen und Büros unter einem Dach integrieren. Das Konzept findet aber auch seinen Niederschlag in einem professionellen Kulturmanagement und einer diakonisch ausgerichteten Obdachlosenarbeit.

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Die Domkirche zu Berlin und das Leben der Domgemeinde stellte der Domprediger Friedrich-Wilhelm Hühnerbein beim Gespräch in der größten protestantischen Kirche Deutschlands vor. Die Domgemeinde sei, so Hühnerbein, eine „Personalgemeinde“. Alle evangelischen Einwohner Berlins können der täglich wachsenden Gemeinde beitreten.

Zum gottesdienstlichen Leben gehören auch „Kunstdienstandachten“ und der „Evensong“, ein musikalisches Abendgebet auf Englisch und Deutsch. Neben dem Domprediger predigt im Dom auch der Bischof von Berlin-Brandenburg Prof. Dr. Wolfgang Huber, zugleich Ratsvorsitzender der EKD. Der dritten Besuchstag war von der Aufarbeitung der DDR-Geschichte bestimmt. In Berlin-Hohenschönhausen wurde das größte Gefängnis des DDR-Staatssicherheitsdienstes besucht. Die Ansbacher Besuchergruppe wurde von einem Referenten durch das Gefängnis und die Gedenkstätte geführt, der währen seiner zweijährigen Haftzeit dort interniert war. Inhaftiert worden war er 1985, weil er das damalige Lebensgefühl in der DDR von Ostberliner Punks in Aufzeichnungen festgehalten hatte, um diese im Westen und im Ausland bekannt zu machen.

Für die Vikarin der Heilig-Kreuz Kirche, Treber, war die Reise ein beeindruckendes Erlebnis der Symbiose von Politik, Geschichte und Religion. Sie zog die Bilanz: „Unsere Gegenwart erwächst immer aus der Geschichte, an der wir teilhaben und der Auseinandersetzung mit ihr. Beides aus politischer und kirchlicher Perspektive intensiv durchdrungen zu haben, war der größte Gewinn der Studienreise des Pfarrkonventes nach Berlin.“