Immanuel und ein immerwährendes Weihnachtsfest

Weihnachten

In der Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Matthäus wird der kommende Messias als "Immanuel" bezeichnet, das heißt "Gott mit uns". So lässt sich mit drei Worten die Bedeutung des Christfestes beschreiben: Gott ist mit uns. Das hat er uns in der Nacht von Bethlehem ein für allemal gezeigt. Mit dem Kind in der Krippe ist er für uns zur Welt gekommen: ein Ausdruck seiner Liebe zu uns und zugleich Einladung, ihn zu lieben wie man ein Neugeborenes liebt.

Wenn wir begriffen haben, dass Gott mit uns ist, müssen wir nicht bei uns bleiben. Wir können uns öffnen. Wir können aus uns heraus gehen. Wir können auf andere zugehen. Wir können Christen und Kirche für andere sein. Davon erzählt eine der schönsten Weihnachtsgeschichten von Leo Tolstoi: Der alte Schuster Awdejitsch träumt, dass Christus ihn besuchen will. Awdejitsch räumt sein Kellerzimmer auf und wartet den ganzen Tag. So oft er aber durch sein Fenster schaut, kein Christus kommt. Er sieht nur einen alten Soldaten, der Schnee schaufelt und friert. Awdejitsch bittet ihn herein und lässt ihn sich aufwärmen. Dann bemerkt er eine fremde Frau mit einem Kind, das vor Kälte schreit. Auch die beiden holt er in die warme Stube, kümmert sich um sie und gibt der Fremden eine Jacke mit. Schließlich schlägt vor seinem Fenster eine Marktfrau einen Jungen, der einen Apfel aus ihrem Korb gestohlen hat. Awdejitsch läuft nach draußen und schlichtet den Streit. Am späten Abend erscheint ihm Christus erneut und fragt ihn: "Hast du mich erkannt?" Und dann tauchen nacheinander alle Menschen auf, denen Awdejitsch begegnet ist. Der alte Schuster hat ganz selbstverständlich geholfen. Er hat nicht lange überlegt, sondern das nahe Liegende getan. Das ist eine Sprache, die auch heute sehr gut verstanden wird. Gott ist mit uns, damit wir mit anderen sein können.

So lautet ein schöner Segenswunsch: "Gott mit dir!". Kann ich für einen Menschen Besseres wünschen und erbitten als Gottes Segen, an dem alles gelegen ist? Das gilt auch für unsere Heimat: "Gott mit dir, du Land der Bayern!" Der Standort Bayern braucht vieles, aber er braucht vor allem Gottes segnende Hand, um sich von mancherlei Turbulenzen zu erholen und wieder in ein ruhigeres Fahrwasser zu kommen. Gottes Liebe ist konkret. Sie sucht ihren Weg durch uns hindurch in die Gesellschaft hinein. Uns ist ans Herz gelegt, darauf zu achten, dass Nächstenliebe und Solidarität Kennzeichen und Markenzeichen unseres Glaubens sind und bleiben.

Eigenverantwortung und Eigeninitiative sind gefragt. Weihnachten bedeutet, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten: Zuwendung geben - aus sich heraus gehen - auf andere zugehen - helfen. Wo dies geschieht, ist Weihnachten, nicht nur am 24. Dezember.

Gesegnete und frohe Weihnachten!

Ihr Regionalbischof im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg Helmut Völkel