Weihnachtsandacht von Dekan Hans Stiegler in der Wochenzeitung

Weihnachten

Weihnachten ist ein merkwürdiges Fest, des „Merkens“ würdig im wahrsten Sinne des Wortes.
Viele von uns denken an so einem Heiligen Abend zurück: Weihnachten damals, als wir Kinder waren? Das erste Weihnachten allein oder zu zweit als Paar. Weihnachten ist für viele Menschen ein Brennpunkt. Während sonst das Jahr oft einfach so dahin fließt, ist Weihnachten ein echter Höhepunkt. Und wenn es uns nicht gut geht - ein entscheidender Tiefpunkt. Ein Weihnachtsfest, an dem wir traurig waren, einsam oder verzweifelt gräbt sich tief in das Gedächtnis ein. Ich erlebe es jedes Jahr in der eigenen Familie, wenn meine Mutter unter Tränen von ihrer Flucht und Verreibung nach dem Ende des Krieges erzählt.

Viele schauen Weihnachten auch nach vorn. Gibt es im neuen Jahr wieder Arbeit für mich? Hält meine Gesundheit? Was wird kommen? Kann ich mich Gott anvertrauen?
Weihnachten als der Höhepunkt im Jahreslauf - deshalb sind wir an diesem Fest auch besonders verletzlich. Und so kommen auch die großen Lebensfragen und die großen Glaubensfragen an die Oberfläche, die wir sonst im Alltag oft zur Seite schieben: Wo bin ich eigentlich in meinem Leben? Wo ich hin will? Was heißt das, wenn Gott Mensch wird? Können wir diese alte Geschichte aus Bethlehem glauben in unserer hochtechnisierten Welt?

Es ist Jesus selbst, der darauf eine ganz einfache Antwort gibt: "Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Johannesevangelium 3,16)

Ja, Gott liebt tatsächlich diese Welt - und ich bin ein Teil dieser Welt. Auch wenn es für manche nur schwer zu verstehen ist: Gott liebt diese Welt tatsächlich, jede und jeden von uns! Deshalb können wir uns Gott auch da anvertrauen, wo wir Fehler machen, nicht weiter wissen. Gott liebt uns leidenschaftlich! Auch wenn alle anderen sich abwenden, wenn ich mich völlig verlassen fühle! Wenn ich nicht mithalten kann mit dem Perfektionsdruck, ist seine Liebe da, als Angebot. Nicht bestellt, nicht vorgemerkt, einfach so.

Über meinem und Ihrem Leben steht ein unauslöschbares Pluszeichen. Die Liebe Gottes zu uns ist größer als alle Zurückweisungen, als alle Gleichgültigkeit gegen Gott von unserer Seite! Deshalb ist Gott in Jesus Mensch geworden. Er wartet auf unsere Antwort! Jedes Weihnachten ist eine Liebeserklärung Gottes an mich und Sie! Er wartet auf unsere Antwort, auch 2007!

Keiner von uns weiß, was kommen wird. Aber unerschütterlich fest steht die Zusage, dass er seine ausgestreckte Hand in keinem Fall zurückzieht. Ja, Glauben ist ein Wagnis. Aber seit Weihnachten gibt es durch diesen Jesus einen unerschütterlichen Grund, dass das Vertrauen auf Gott nicht vergeblich ist.

So wünsche ich Ihnen ein offenes Herz für diesen Gott, der sich nicht zu Schade war, um in Jesus einer von uns zu werden!
Gesegnete Weihnachten!

Ihr Hans Stiegler, Dekan