Die Wiegleborgel - ein neues Wahrzeichen
Ansbach – Ein neues Wahrzeichen geht langsam der Vollendung entgegen: Die Wiegleborgel. Seit Jahrzehnten wurde darum gerungen – in wenigen Tagen wird sie offiziell eingeweiht. Rund 1,4 Millionen Euro hat die Rekonstruktion gekostet. Bis auf 20.000 Euro ist der Betrag inzwischen gedeckt.
Jetzt ist sie fertig – nur noch ein bisschen putzen, dann kann der 17. Juni kommen. An dem Tag wird die Orgel offiziell vom Landesbischof in einem Fernsehgottesdienst eingeweiht. Und am 28. Juli wird mit einem Konzert auf der neuen Wiegleborgel die diesjährige Bachwoche eröffnet.
Lange hat Ansbach um diese Orgel gerungen – es gab für und wider. Die Rekonstruktion der Wiegleborgel wurde fast zu einer unendlichen Geschichte - Hintergründe: Rund alle 20 Jahre wurde die Orgel in St. Gumbertus grundgereinigt. Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts entstand dabei die Frage, erhält man die Steinmeyerorgel von 1961 oder Rekonstruiert man die ursprüngliche Wiegleborgel. Es ergab sich nämlich, dass Reinigung und Reparatur der alten Orgel nicht von Dauer sein würden. Deswegen schlug der Orgelsachverständige Hans Jürgen Richter 1989 vor, zu versuchen die Wiegleborgel zu rekonstruieren. Er gilt als Ideengeber für dieses Projekt. Unterstützt wurde seine Idee 1994 von einem neutraler Schweizer Gutachter, der über die Steinmeyerorgel sagte: „Jede Mark die hier investiert wird, geht in ein Fass ohne Boden.
1738 wurde die dreimanualige Orgel von Johann Christoph Wiegleb eingeweiht. Es war die größte Orgel Frankens mit 47 Registern. 1884 baute Georg Friedrich Steinmeyer aus Oettingen eine neue Orgel, mit großen Teilen der alten Wiegleborgel. 1961 entstand die Steinmeyerorgel II, bei der die letzten Reste der alten Wiegleborgel ausgebaut wurden. Aber es gab viele gute historische Quellen, so dass sich die Orgel rekonstruieren ließ. Außerdem wurden insgesamt 452 originale Wieglebpfeifen aus verschiedenen Orgeln gefunden, die zum größten Teil in der neuen Ansbacher Orgel verbaut wurden. Insgesamt hat die neue Orgel rund 3200 Pfeifen – die Größte ist über zehn Meter lang.
Zwischenzeitlich war ein erbitterter Kampf ausgebrochen – ein Gegenverein hatte sich gegründet. Doch inzwischen ist von dem Verein nichts mehr übrig – auch die entsprechende Internetseite ist nicht mehr frei geschaltet. Der amtlicher Orgelsachverständiger Christoph Reinhold Morath aus Erlangen vermutet heute eher persönliche Motive bei dem Streit und keine sachlichen. Letztlich fällte der Kirchenvorstand 1996 den Entschluss die Wiegleborgel wieder aufzubauen, wenn es zu finanzieren sei.
Der größte Unterstützer war von Anfang an die Ansbacher Bachwoche, die sich für Konzerte ein solches Instrument wünschte. 2004 bekam die Diskussion wieder Fahrt. Bachwoche und Stadt haben sich eingeschaltet und zusammen 200.000 Euro zur Verfügung gestellt. Nach diesem klaren Bekenntnis zu der Orgel fanden sich in der Folgezeit viele Sponsoren für dieses einmalige Orgelprojekt. Viele Stiftungen, Firmen und Privatpersonen spendeten Geld.
„Es wird etwas Wirklichkeit, was wir uns haben gar nicht vorstellen können“, meinte der Kirchenmusikdirektor Rainer Goede, als er noch auf der Baustelle einem Teil des Ansbacher Stadtrates die neue Orgel vorstellte. Oberbürgermeister Ralf Felber betont, das Ansbach damit ein neues Alleinstellungsmerkmal habe - so etwas brauche man, um sich von der Masse abzuheben. „Die Orgel ist so interessant, weil sie so unverwechselbar ist“, schwärmt Goede. Unter anderem hat einen vom Spieltisch schließbaren Schwellkasten. Selbst der Merseburger Dom hatte so etwas erst 50 Jahre nach Ansbach. „Die Wiegleborgel ist in ihrer Gesamterscheinung einmalig auf der ganzen Welt“, so der Kirchenmusikdirektor. (nei)

